Zwischen Offenheit und Selbstschutz

Selbsthilfegruppe, das bedeutet auch Schutzraum. Hier verstehen sich die Aktiven, werden die oft sehr spezifischen Sorgen ernst genommen und nicht, wie oft „draußen“, abgetan, ignoriert oder schlimmstenfalls stigmatisiert.
Und wo Schutz zu finden ist, kann auch Vertrauen wachsen. Verständlich also, das nicht wenige Selbsthilfegruppen vorsichtig damit sind, sich in den Rest der Gesellschaft so öffnen, das ihre Arbeit verstanden, kennengelernt und mehr wertgeschätzt wird.
Doch das ist notwendig, damit Selbsthilfe nicht ein schwer zugänglicher Weg wird oder bleibt. Menschen, die von der Wohltat und Wirkung der Selbsthilfe nichts wissen oder auch nur ahnen, müssen genau dafür ein Gefühl bekommen und es erleben dürfen: das Selbsthilfe unter Menschen, die ein gleiches Problem oder Schicksal verbindet, neuen Lebensmut, mehr Lebensqualität und Selbstwirksamkeit hervorbringen kann.
Das heißt aber nicht, dass die Selbsthilfegruppen ihre teils notwendige oder liebgewonnene Anonymität und Verbindlichkeit aufgeben sollten. Es geht viel mehr darum, einen klugen Weg zu finden, sich für Hilfesuchende bemerkbar und erkennbar zu machen und in der Politik in Stadt und Land bzw. der Gesellschaft einen Anspruch deutlich zu machen, der lautet: Wir leisten wertvolle Arbeit, wir verdienen Unterstützung ideeller und materieller Art und wollen mit unseren Bedürfnissen gehört werden.
Auch deshalb und vor allem dafür gibt es uns: die Allianz für die Selbsthilfe in Potsdam, die AlliSe. Sie ist auch ein Schutz- und Entfaltungsraum für ganze Selbsthilfegruppen: Hier können sie sich zu Wort melden: nach außen zu hören – nach innen geschützt. Ein wichtiger Schritt, damit die Selbsthilfe auch in den kommenden Generationen weiter lebt und aufblüht.

Dieser Beitrag ist zuerst in NEUES VON ALLISE am 6. Juli 2017 erschienen.