Wie der Mut zur Selbsthilfe wächst – eine Krankengeschichte

Bärbelm Lück ist erfahrene Leiterin der Selbsthilfegruppe (SHG) Asthma, COPD, Emphysem. Doch auch sie hat einmal am Anfang gestanden. Ihr Weg kann Mut machen, sich nicht aufzugeben und nicht vor der Krankheit einzuknicken. Doch bis zur Selbstermächtigung, sich neben der ärztlichen Behandlung selbst an die Hand zu nehmen und die Lebensqualität durch Selbsthilfe zu verbessern, ist ein längerer Weg gewesen. Bärbel Lück hat ihre Krankengeschichte als kleinen „Hoffnungsmacher“ für die AlliSe niedergeschrieben. Hier ihr Bericht:

Ich habe damals als Erzieherin in der Schwerhörigenschule in Potsdam gearbeitet. Gewohnt habe ich in Ludwigsfelde, musste also täglich fahren. Wir haben im Zweischichtsystem gearbeitet. Dies nur zur Erklärung.

Ich war oft erkältet, wie man so sagt: Eine Erkältung kommt von alleine, und geht von alleine.

Es begann 1984, ich kam von einer anstrengenden Klassenfahrt zurück und war erkältet. Abends bekam ich plötzlich keine Luft . Bein uns im Haus wohnte eine Ärztin, sie hat mir gleich etwas gegen die Atemnot gegeben. Sie sagte auch es könnte Asthma sein.

Von unserer Betriebsärztin bekam ich dann Tabletten gegen Asthma. Wie die Tabletten hießen weiß ich nicht mehr. Mit den Tabletten ging es dann eine Weile gut. Mir hat aber keiner gesagt, wie ich mich bei einem Asthmaanfall verhalten muss. Also habe ich alles falsch gemacht.

Ich war auch zweimal zur Kur. Dann kam 1989/90 die Wende und alles wurde anders. Ich wurde zu einem Pulmologen überwiesen. Dieser Arzt hat mich nicht ausreichend behandelt, die leichten und schweren Anfälle häuften sich. Dann wurde mein Vater auch noch schwerkrank , das hat mich auch stark belastet.

Er stab dann 1991. Von 1991 bis 1994 hatte ich solche schweren Asthmaanfälle, dass ich ständig in die Notaufnahme musste. Von da aus ging es dann in die Lungenklinik Beelitz – Heilstätten. Hier war ich dann Dauergast. Jedes Quartal mindestens einmal mehrere Wochen. Danach ging es mir immer gut. Aber einen Hausarzt hatte ich nicht. 1993 bin ich dem Tod zweimal von der Schippe gehopst. Ich hatte die Nase voll, denn sterben wollte ich nicht.

Mir wurde Frau Dr. Sigrid Hofmann empfohlen. Ich war dann bei ihr in Behandlung. Bei ihr bekam ich dann die Behandlung die ich brauchte. Ich bekam dann auch die Medikamente welche geholfen haben. Frau Dr. Hofmann hat bei einem Asthmaanfall nicht lange gefackelt, ab nach Beelitz.

Zur damaligen Zeit war ich mehr krankgeschrieben. Es ging nicht mehr. 1994 habe ich einen Antrag auf Erwerbsunfähigkeit gestellt, der aber nicht bewilligt wurde. Stattdessen wurde ich berufsunfähig geschrieben und das war mein Glück. Mir wurde eine Stelle als Schulsekretärin in Potsdam angeboten.

Meine Arbeitszeit betrug nur noch 20 Wochenstunden. Dadurch dass die Belastung wegfiel habe ich mich langsam erholt.

Durch Zufall habe ich dann eine Selbsthilfegruppe Asthma gefunden. Hier habe ich dann erfahren was darf ich und was darf ich nicht Die monatlichen Treffen mit Gleichgesinnten hat mich gestärkt. Ich bin seit Jahren stabil habe schon lange keinen Asthmaanfall mehr gehabt.

Mein Rat an alle die Asthma haben, wichtig ist, dass die Medikamente immer und regelmäßig genommen werden müssen, Den Anordnungen des Arztes sollte man auch befolgen. Zwischen Arzt und Patient muss ein Vertauensverhältnis bestehen.

Von großer Bedeutung ist die Bewegung! Ich habe irgendwann mit Sport angefangen zu Anfang habe ich nicht viel mitmachen können, weil die Luft knapp wurde. Von Mal zu Mal wurde es besser. Ich habe dann mit Working angefangen und konnte sogar eineinhalb Stunden durch den Wald rennen.

Ich treibe heute noch zweimal in der Woche Sport heute bin ich 75 Jahre alt. Bewegung ist das A und O bei einer Lungenerkrankung.

Wichtig ist auch sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Gebt euch nicht der Krankheit hin, das bringt nichts. Wichtig ist auch sich mit seiner Krankheit auseinanderzusetzen. Es gibt sehr viel Literatur und Zeitschriften. Je mehr ich über meine Krankheit weiß, je besser kann ich damit umgehen.