Auf Licht erpicht

Die Winter werden wärmer, eine der nur scheinbar positiven Facetten des Klimawandels. Da ist das realphysikalische Frieren wenigstens nicht mehr ganz so ausgeprägt – wenn uns auch manchmal der Windchill-Wert den Frost in die Knochen zu jagen meint.
Was bleibt, ist dieser matte Schein der Sonne, das blasse Licht, naturrationiert auf ein paar Stündchen am Tag. Und die verbringen wir obendrein meist im Kunstlicht des Büros oder der Fabrik. Morgens dunkel, abends dunkel, wir werden an Seele und Körper blass wie belgischer Chicoree. Doch bei dem ist das ein Qualitätskriterium.
Bei uns ist es einfach ein oft regelrecht mental bedrückender Mangel an Licht. Ohne Sonnenstrahlen, das ist ein Leben wie in der Tonne, gedeckelt. Wer nicht in der lichten Zeit via Sonne seinen Vitamin D-Vorrat ordentlich aufstocken konnte, sieht nicht nur alt aus, er fühlt sich auch so, einschließlich der bisweilen ins Depressive reichenden Verstimmungen.
Da hift nur ein positiver Klimawandel, ein persönlicher Mikroklima-Wandel. Und der könnte so funktionieren: Freunde treffen, nicht im Wintergrau allein vor sich hinvegetieren.
Jede helle Minute nutzen, am besten mit ein wenig Sport und Bewegung.
Und wer das Geld dafür abzweigen kann, sollte sich eine Lichtdusche zulegen. Diese Geräte mit Glühbirnen auf Sonnenlicht-Frequenz sind nicht nur prima Stellvertreter von Gott Helios. Sie sind sogar gesünder, jedenfalls, wenn sie so gebaut sind, dass sie keine hautkrebserregende UVA, -B oder -C-Strahlung versenden wie das Original im All oder die gängigen Solarien.
So erleuchtet, werden Sie den Unterschied merken, wenn die Natur den Alltag zur Dunkelkammer macht: Selten haben Sie Helligkeit mehr genossen.

Dieser Beitrag erschien zuerst in NEUES VON ALLISE, 3. QUARTAL 2017 in der Kolumne REFLEKTOR