Antje Tannert: Abschied in Verbundenheit

Als sie den Flachbau zwischen lauter langstämmigem Nadelgehölz mit ihren Kolleg*innen bezog, hatten sie sich eines vorgenommen: Alle Menschen zusammenzubringen, egal von wo, egal mit welchen körperlichen und seelischen Voraussetzungen. „Wir haben Inklusion schon gelebt, als der Begriff so bestenfalls in Fachbüchern zu lesen war“, erinnert sich Antje Tannert. Der neue Treff machte Menschen aus der Waldstadt neugierig, dazu Menschen mit und ohne Behinderung aus ganz Potsdam.
Längst reicht die Strahlkraft sogar bis in die Region: Auch aus Werder (Havel) und Belzig kommen Stammgäste. Anfangs schauten sie auf dem Heimweg von der Arbeit eine Stunde herein, später blieben sie länger. Es gibt Arbeitsgemeinschaften und Interessengruppen, den Fotozirkel etwa leitet Tannert selbst, es wird gemeinsam gemalt und gesungen, gewandert, Qigong praktiziert, Englisch- und Computerkurse laufen. Jeden Monat gibt es ein aktualisiertes Programm, Stillstand ist unbekannt.

An so etwas denkt gerne Antje Tannert gerne. Mehr Zufriedenheit und Freude als Wehmut bestimmt jetzt ihr Fühlen beim Start in den Ruhestand. Die studierte Lehrerin hatte sich in der politischen Umbruchszeit nach 1989 zur zertifizierten Sozialarbeiterin weitergebildet, war zunächst in der Mädchenarbeit aktiv. 2001 wurde dann das „Haus der Begegnung“ von der nächsten Berufsetappe zur inneren Berufung.
Sie kann loslassen nach diesen 16 Jahren, glaubt sie. Sie möchte den Ruhestand mit ihrem Mann noch aktiv genießen, ihre Kinder und Enkelkinder im Leben begleiten und ihre neue Leidenschaft, das Fahrradfahren, genießen. Und sie hat, mit Hilfe des Trägervereins und der ganzen Belegschaft, die Übergabe auch früh vorbereitet. Die fünf Teilzeit-Mitarbeiter*innen und die bis zu 35 ständigen Ehrenamtler*innen bezog sie früh ein. Sie haben auch Nachfolgerin Antoinette Fuchs schon persönlich kennengelernt – der Träger finanzierte einen fließenden Übergang, in dem sie Tannert bereits unterstützte und sich selbst einarbeitete.
Alle, die Antje Tannert ins Herz geschlossen haben, können übrigens gelassen lächeln: Sie wird, dann als Ehrenamtlerin, weiter den Fotozirkel leiten. Da ist dann immer Zeit für ein nettes Gespräch beim Kaffee drin.